Dingelberghof

Die Geschichte des Dingelberghofs

Wer heute den Blick über das friedliche Kreisbachtal schweifen lässt, steht auf einem Boden, der seit über 600 Jahren Geschichte atmet. Unsere Mauern erzählen von Rittern, tiefster Loyalität, eiserner Gerechtigkeit und einem unbändigen Willen zum Wiederaufbau. Tauchen Sie ein in eine Reise durch die Jahrhunderte.

Die Geburtsstunde: Wo das „Ding“ Geschichte schrieb (1400)

Die offizielle Gründung unseres Hofes als eigenständiges administratives Zentrum markiert das Jahr 1400. In diesem Jahr wurde die Gerichtsbarkeit vom Landgericht Tullnerfeld abgespalten und unser Hügel, der damals noch „Tinkhellberg“ genannt wurde, zum offiziellen Sitz des Landgerichts Kreisbach erhoben. Der Name selbst verrät seine Bestimmung: Er leitet sich vom althochdeutschen Wort „Ding“ ab, der feierlichen Gerichtsversammlung. Hier, am „Hügel des Rechts“, wurde über Generationen hinweg Weltgeschichte im Kleinen entschieden.

Der Wächter des Tals: Das Geheimnis des Galgens

Ein markantes Wahrzeichen, das man heute noch in etwa 500 Metern Entfernung vom Hof thronen sieht, ist der Galgen. Doch seine Geschichte ist eng mit der Topographie des Tals verbunden: Bis ins 17. Jahrhundert stand dieses mahnende Symbol der Blutgerichtsbarkeit nicht oben auf dem Hügel, sondern direkt unten an der Straße nach Schloss Kreisbach. Es markierte für jeden Reisenden unübersehbar die Grenze der Macht zwischen der Herrschaft Kreisbach und dem Stift Lilienfeld. Erst unter der Ära der Lilienfelder wurde er an seinen heutigen Standort auf die Anhöhe versetzt, von wo aus er bis heute als stummer Wächter über das Tal blickt.

Unter der Krone der Herrschaften: Kreisbach, Hohenberg und Jörger Bevor der Hof ein freies Gut wurde, war er über Jahrhunderte Teil bedeutender Adelsdynastien. Der Name Kreisbach selbst hat einen lebendigen Ursprung: Er leitet sich von den Krebsen ab, die einst zahlreich im Bachbett lebten.

  • Die Ritter von Kreisbach (bis 1323): Alles begann mit Dietericus I., dem Erbauer der Burg um 1180. Diese Ära endete mit einem Akt ritterlicher Loyalität: 1323 verkaufte Engeldich von Kreisbach die Stammburg, um das Lösegeld für seinen Bruder Friedrich freizubekommen.
  • Die Hohenberger (1323–1529): Unter ihnen wurde die landwirtschaftliche Struktur des Hofes als Meierhof gefestigt. Aus dieser Zeit stammt auch die faszinierende „Osterburg-Verbindung“: Teile unserer Gründe waren den Geyern von Osterburg gegenüber abgabepflichtig.
  • Die Jörger von Tollet (ab 1521): Unter diesen einflussreichen Protestanten wurde Kreisbach zu einem Zentrum der Reformation. Der Hof diente ihnen als prestigeträchtiges Dienstgut für ihren herrschaftlichen Richter.

1601: Die Geburtsstunde des „Richterguts“ 

Eine neue Ära der Unabhängigkeit brach an, als die Witwe Anna Jörger im Jahr 1601 entschied, den Berg aus dem herrschaftlichen Gutsbestand zu lösen. Der herrschaftliche Richter Hans Frauwieser erkannte die Gunst der Stunde: Für 350 Gulden und sechs goldene Dukaten kaufte er das Anwesen und machte es zu seinem privaten „Richtergut“.

Feuer, Phönix und die Expansion zum Giganten 

Die Geschichte des Dingelbergs ist auch eine Geschichte der Beständigkeit. Im Jahr 1661 schlug das Schicksal grausam zu: Ein verheerendes Feuer bricht aus und in den Akten wird der Ort danach nur noch als „abgebrungener Hoff“ geführt. Doch wie ein Phönix stieg der Dingelberg wieder auf. Ab 1782 führte die Familie Pichler den Hof aus den Ruinen zu neuem Glanz, was 1877 unter Johann Brunner jun. seinen Höhepunkt fand. Brunner kaufte konsequent Ländereien hinzu, bis der Hof auf eine gigantische Größe von über 21 Hektar (36 Joch) anwuchs und zum flächenmäßig mächtigsten Privatgut des gesamten Tals wurde.

Wiener Glanz und die Ära Flesch 

Wie wertvoll der Dingelberghof war, zeigt ein spektakuläres Ereignis im Jahr 1914: Das gesamte Anwesen wurde gegen ein herrschaftliches Wiener Zinshaus in der Castelligasse getauscht – der Hof stand nun auf einer Stufe mit der Architektur der Kaiserstadt. Kurz darauf übernahm der Industrielle Josef Maria Flesch den Hof (1915–1928), der ihn durch moderne Bewirtschaftung weiter prägte.

Die Konsolidierung und der Weg ins Heute 

Älteren Bewohnern im Ort ist vor allem die Familie Pfistershammer noch ein Begriff, die den Hof über Jahrzehnte sicher durch die Stürme des 20. Jahrhunderts führte. Unter ihrer Führung begann eine Phase der Konsolidierung, in der der große Grundbesitz aufgeteilt wurde. Erst unter der Familie Berger wurde die Fläche schließlich auf das heutige Ausmaß von rund einem Hektar abgeteilt.

seit 2004: Die Revitalisierung

Im Jahr 2004 schlug der Dingelberghof sein jüngstes, wohl persönlichstes Kapitel auf. Wir, haben den Hof von der Familie Gratzl übernommen und haben hier unsere Familie gegründet. In den letzten 20 Jahren haben wir das geschichtsträchtige Anwesen behutsam und mit Respekt vor seiner Jahrhunderte alten Struktur revitalisiert. Wo einst massive Stallungen, Werkräume und Scheunen den landwirtschaftlichen Betrieb dominierten, haben wir neue Lebensräume geschaffen. Es war uns ein Herzensanliegen, die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig modern auszubauen. Heute finden unsere Mitbewohner und Gäste in vier liebevoll gestalteten Wohnungen ihren Rückzugsort, in dem die ehrwürdige Geschichte des Richterguts auf zeitgemäßes Wohnen trifft.

Genießt euren Aufenthalt an diesem Ort, der so viel erlebt habt und an dem seit über 600 Jahren Geschichte geschrieben wird.

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